Wie ist das … mit dem Leiden? – Psalm 73

Psalm 73 geht auf die Frage ein, weshalb gerade ich leiden muss. Er beginnt mit einem Lebensmotto: „Lauter Güte ist Gott gegen den Frommen.“ Doch eines Tages kommt die Einsicht: „Beinahe wäre ich gescheitert – ich sah, dass es den Gottlosen so gut geht.“ Und mir geht es gerade nicht gut! Glaube und Lebensorientierung brechen zusammen … Leiden trotz Unschuld!? Der Psalmbeter denkt nach, kommt aber zu keiner Lösung. Da zeigt ihm Gott das Ende der Gottlosen. Und er kommt zur neuen Gewissheit: „Jetzt bleibe ich stets bei dir.“

Wie ist das … mit dem Sterben? Loslassen – Einlassen – Überlassen

Früher gehörte die Vorbereitungszeit auf das Sterben zum Leben: Zur „Kunst des Sterbens“ wurde angeleitet. Drei Worte am Kreuz machen uns darauf aufmerksam: „Vater, vergib ihnen …“ – Jesus kann loslassen. Einer der Gekreuzigten bitte Jesus, ihn im Gedächtnis in sein Reich mitzunehmen – Im Gedächtnis Jesu kann mein Leben aufbewahrt bleiben, auch wenn mein Gedächtnis verschwindet. Wir entscheiden, was in unserem Gedächtnis bleibt! Die Bitte „in deine Hände lege ich meinen Geist“ – Jesus überlässt sich in die Hände des Vaters. Es ist das Letzte, was ich entscheiden kann.

Wie ist das … mit dem Übersetzen?

Jesus sprach Aramäisch. Das NT ist bereits übersetzt – auf Griechisch. Auch Hebräisch wurde auf Griechisch, dann Latein, später ins Deutsche übersetzt. Franz Rosenzweig sagte: Übersetzen heisst, zwei Herren dienen – der Ausgangssprache und der Zielsprache. Beiden kann man nicht gleichzeitig gerecht werden. Gerechtigkeit zum Beispiel hat für uns mit Recht, mit Gericht zu tun. Ein Rechtsbegriff. Im AT umfasst das Wortfeld für Gerechtigkeit eine Gemeinschaft voraus, die sich verpflichtet hat, den Weg miteinander zu gehen, sich gegenseitig zu helfen und zu dienen. Gerecht ist, wer ein Herz für seine Mitmenschen hat. Es geht um die Tat der Liebe, um Treue, Zuverlässigkeit … und kann mit „Almosen“ umschrieben werden. Bei der Übersetzung des AT ins Griechische wurde eine Gerechtigkeit, eine Treue, die vor dem Recht bestehen kann …

Wie ist das … mit Mann und Frau? – Die Rippe

Gott will dem Menschen ein Gegenüber schaffen, das ihm zur Seite steht. Unter den Tieren findet der Mensch das nicht. Die Neuschöpfung geschieht im Tiefschlaf Adams. Er verschliesst die Stelle, an der er einen Knochen wegnimmt, mit Fleisch. Allein im Bauchbereich haben wir keine Knochen. Im Bereich des Unterleibs sitzen meine empfindlichsten Gefühle und meine Scham. Hier bin ich ohne Schutz. Gott hat ihn weggenommen, um dem Menschen das Gegenüber zu bauen: Damit ich mich innig mit einem andern Menschen verbinde. Es bedeutet auch, dass ich meinem Partner nie weh tue und ihn nicht verletze.

Wie ist das … mit Mann und Frau? – Die Hilfe

Gott hat eine Absicht: Ich will ihm eine Hilfe, ein Gegenüber schaffen. Der Mensch ist ein Bedürftiger. Das Hebräische versteht Hilfe als Rettung, wenn ich in Not bin und nicht mehr weiter weiss. Hier geht es aber nicht um Rettung, sondern um „Ezer“, eine Prozenthilfe: ich brauche Ergänzung, weil ich es nicht allein schaffe. Es geht nicht um Herrschaft, die den Partner retten kann. Wir dürfen und sollen aber auch um die Hilfe des Andern bitten, wo wir selbst nicht weiterkommen. (Text by Fritz Imhof)

Wie ist das mit Mann und Frau? – Gott macht ein Bild von sich

„Lass uns Menschen machen nach unserem Bild“, sagt Gott, bevor er den Menschen schafft. Ein Bild? Es soll ein Wesen werden, in dem man Gott erkennen kann. Er hat ein Bild von sich hinterlassen: den Menschen. Männlich und weiblich. In der Verschiedenheit von Mann und Frau und auch im Miteinander kann ich etwas von Gott erkennen. So wie sich Mann und Frau gegenseitig nie ganz begreifen können, wird uns auch das Geheimnis Gottes nie ganz enthüllt. Aber es wird uns anschaubar, was Gott ist. (Fritz Imhof)